Artisanale oder industrielle Fischerei?

Überfischung macht Migration

Die jahrzehntelange und intensive Nutzung der senegalesischen Fischgründe durch industrielle Fangschiffe aus Europa und Asien hat die Fischbestände derart dezimiert, dass die einheimischen artisanalen (handwerklichen) Fischer immer weniger fangen – nicht selten reicht der magere Erlös nicht einmal zur Deckung der Benzinkosten.

Der Bedarf des Landes nach Devisen veranlasst die Regierung, Fanglizenzen an ausländische Fischereiunternehmen zu vergeben – bei den betroffenen Fischern kommt von diesem Geld freilich nichts an. So verwandeln verzweifelte Familien ihre Pirogen in Flüchtlinsgboote in der Hoffnung, dass ihre nach Europa reisenden Söhne dort Arbeit finden und  Geld nachhause senden. Eine Reise, die für viele im Elend oder gar mit dem Tod endet.

Wenn die senegalesischen Fischbestände nur von einheimischen artisanalen Fischern genutzt und nur im Land selber verarbeitet würden, verbliebe der inländischen Wirtschaft ein weit grösserer Mehrwert und hätten 24-mal mehr Menschen Arbeit, als die industrielle Fischerei bietet. Darum fordert fair-fish, dass Fische aus Entwicklungsländern (rund die Hälfte des globalen – und unfairen – Fischhandels) nur noch aus lokalem Fang importiert werden. Die artisanale Fischerei wäre in der Lage, die Menschheit mit Fisch zu versorgen, wenn sie nicht von der zerstörerischen industriellen Fischerei bedrängt würde. Mehr dazu: fish-facts 17: Fisch für alle – ohne Industrie.

 

 





Warum und wie

Im Rahmen der Kampagne «Überfischung macht Migration» (fair-fish Schweiz, 2018-2019) beleuchteten wir in unserer Reihe fish-facts die Hintergründe:

fish-facts 26: Zwangsarbeit
fish-facts 27: EU-Fischereipolitik in Entwicklungsländern und im Senegal
fish-facts 28: Fischmehl aus Afrika für Fischzucht anderswo
fish-facts 29: Projekte zum Bleiben statt zum Weggehen

Die Fischer wehren sich
2020 plante Senegal, im grossen Stil weitere Fanglizenzen an ausländische Unternehmen zu vergeben. Der Protest der Fischerund der Zivilgesellschaft zwang die Regierung, das Vorhaben aufzugeben. fair-fish unterstützte die Kampagne.